Dienstag, 14. Juni 2011

Lockerbie-Anschlag 1988: Gaddafi war es nicht!

270 Tote und kein Mörder. In der Kriegspropaganda gegen Libyen spielt das Lockerbie-Attentat immer wieder eine Rolle, doch ist überhaupt Gaddafi dafür Verantwortlich?


Die Schuld Libyens für das Lockerbie-Attentat 1988 wurde nie bewiesen. Das Urteil gegen den Einzeltäter Megrahi gilt längst als Justizirrtum. Der einzige Zeuge ist fragwürdig.
Der Sprengsatz explodierte am 21. Dezember 1988 in einer Pan-Am-Boeing in 9.000 Meter Höhe über Schottland. Alle 259 Menschen an Bord und elf Einwohner des Dorfes Lockerbie starben. Mehr als zwölf Jahre später, am 31. Januar 2001, wurde der libysche Stasi-Offizier Abdelbaset al Megrahi von einem in den Niederlanden tagenden schottischen Gericht schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Aber Ende Juni 2007 befand eine Revisionskommission, das erste Gericht habe ein „Fehlurteil“ gefällt, ein neues Berufungsverfahren sei zulässig. Dazu kam es jedoch nicht mehr, da Megrahi aufgrund einer Krebserkrankung für haftunfähig erklärt und im August 2009 in seine Heimat zurückgeflogen wurde. In Tripolis empfing man ihn mit Jubel, auch wenn die Nichtaufhebung des Urteils von 2001 seither der westlichen Öffentlichkeit als gerichtsfester Beweis für die Blutschuld von Staatschef Muammar al Gaddafi im Falle Lockerbie gilt.
(…)
Die Zweifel am Lockerbie-Gerichtsverfahren sind jedenfalls Legion. Es wurden Beweise vorenthalten, Zeugen geschmiert und wichtige Unterlagen gefälscht oder nachträglich eingefügt. Die Verhandlungen erwiesen sich alles andere als ergebnisoffen und der Druck auf die Richter war ganz offensichtlich gewaltig.
Dr. Hans Köchler, der das Verfahren für die Vereinten Nationen beobachtete, sprach später von einem glatten „Fehlurteil“ und von einem „politisch motivierten“ Ablauf. Der UN-Beauftragte gründete diese Einschätzung vor allem auf die fragwürdigen Beweisführung bei der Identifizierung Megrahis auf Malta, wo dieser jene Kinderkleidung gekauft haben soll, mit der die Bombe umwickelt war. Köchler störte sich daran, dass der Zeuge Toni Gauci, der Megrahi beim Kauf der Kinderkleidung in seinem Laden wiedererkannt haben will, zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Verdächtige identifiziert hatte und sich in keiner Weise sicher gewesen war. Als er schließlich einer Reihe von Männern gegenübergestellt wurde, um den fraglichen Käufer zu identifizieren, wurde ihm kurz vorher ein Zeitungsfoto von Megrahi gezeigt – kein Wunder, dass er den dann auch herauspickte. Für seine Dienste wurde der Zeuge offensichtlich reich belohnt. „Herr Gauci lebt nun in Australien und der Verteidigung zufolge soll er von den Amerikanern zwei Millionen Dollar für seinen Beweis bekommen haben.“ (BBC, 20.8.2009)
Ebenso wurde ein anderer wichtiger Beweis offenbar nicht erbracht, sondern später „nachgeliefert“. Konkret ging es um zwei Bruchstücke einer Zeitzündvorrichtung, die nach Polizeiangaben unter den Trümmern in Lockerbie gefunden worden waren.
(…) 
Während Megrahi weiter seine Unschuld beteuert, ohne dass dies im Westen jemanden interessiert, richteten sich die Scheinwerfer der internationalen Medien im Frühjahr 2011 auf Gaddafis früheren Justizminister Mustafa Abdel Dschalil – er war im Zuge des Aufstandes zu den oppositionellen Kräften übergelaufen. Dschalil punktete mit der Aussage, dass der Revolutionsführer höchstpersönlich für den Terroranschlag verantwortlich sei. „Ich kann beweisen, dass Gaddafi den Befehl für Lockerbie gegeben hat“, sagte er im Februar 2011. Das schmierte die anlaufende NATO-Propaganda gegen den „Irren von Tripolis“.
Derweil sind andere Verdächtige für das Lockerbie-Attentat aus dem Blick geraten. 
(…)
Ein anderer Verdacht richtet sich gegen die CIA. An Bord der Panam-Maschine war nämlich eine kleine Gruppe von CIA-Operateuren, die hochbrisantes Material über die umfangreichen Verbindungen des US-Geheimdienstes zum internationalen Drogen- und Waffenkartell gesammelt hatten und in den USA der Öffentlichkeit vorstellen wollten. Der Terroranschlag war in dieser Theorie eine Inszenierung von Langley, um die „Verräter“ zu liquidieren.
Der Anschlag von Lockerbie - Mythos und Wahrheit: Eine Koproduktion von BBC und ZDFaus dem Jahr 2008:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Alternative Medien

Blog-Archiv